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Fabrik der Zukunft

Die nächste Fabrik wird eine menschenfreundliche und roboterfreundliche Fabrik sein. Sie wird zu einem Ort der Wissensanwendung und der Wissenserzeugung. Deshalb entwickelt sich die Fabrik zu einer Kommunikationsplattform, für den Betrieb und zum Markt hin. Eine immer höher entwickelte Automatisierung steigert die Flexibilität und macht den Menschen wieder zu einem souveränen Akteur. 

Global & Vernetzt: Durch flexible Fertigungstechnologien rücken Bestellung und Produktion immer näher aneinander. Neben die Ausführung betriebsinterner Anweisungen tritt eine zunehmende Kommunikation der Fabrik nach draußen. Im Industriegüterbereich werden die hierarchischen Zulieferketten von globalen Produktionsnetzwerken abgelöst, die zeitnah koordiniert werden müssen. Die Fabrik wird vom Befehlsempfänger zum Ort der Kooperation mit Zulieferern und Kunden. Neben den klassischen Ziele der Produktivitätssteigerung und Kostenminimierung treten flexible Produktion und kooperative Innovation. Auf den Konsummärkten wird die Nachfrage immer heterogener, die Macht des Kunden steigt und macht seine Echtzeitpräsenz erforderlich. Deshalb sitzen Zulieferer und Kunden frühzeitig mit am Tisch, wenn es um die Entwicklung neuer Produkte geht. In dieser Situation werden alle Akteure der Wertschöpfungskette zu unverzichtbaren Wissensträgern: Entwickler, Hersteller, Weiterverarbeiter, Anwender und Kunden gewinnen dazu, wenn sie frühzeitig Einfluss aufeinander nehmen. Architek¬tur hat die Aufgabe, diesen Wandel durch neue Raumkonzepte zu ermöglichen. 
Flexibel & Automatisiert: Die nächste Fabrik ermöglicht eine hohe Flexibilität in der Fläche, für Produktionsanlagen, Umbauten und Erweiterungen. Materialströme organisieren sich auf mobilen Transporteinheiten wie Bits and Bites auf der Platine. Roboter werden immer preiswerter und noch flexibler in ihren Anwendungsbereichen. Zudem erwerben Industrieroboter Fähigkeiten, die bislang für den Servicebereich entwickelt wurden, etwa die zur Kommunikation. Auch die Mobilität nimmt zu, so dass Roboter Industriemeister begleiten und ihnen bei schweren und gefährlichen Aufgaben zur Hand gehen können. Die Arrangements von Fertigung und Vertrieb können sich dadurch schnell wechselnden Auftragslagen anpassen. Die Fabrik wird dabei zum Lernort, der das Wissen in seiner Anwendung zeigt und zugleich immer neu infrage stellt. Die Fabrik wird zur Schule. 
Urban & Nachhaltig: In Folge von Mass Customization, Zuliefernetzwerken und Open Innovation müssen ganz unterschiedliche und einander fremde Gruppen und Expertenkulturen in einem kontinuierlichen Austausch miteinander stehen, voneinander lernen und kooperieren. Seit jeher ist es eine Tugend der Städte, die Begegnung und den Austausch unter Fremden zu ermöglichen. Von urbanen Räumen kann man daher lernen, in welchem Umfeld ein solcher Austausch gelingt. Die nächste Fabrik wird selbst urban sein: Produktionsboulevards erzeugen Aufmerksamkeit für die ständig zu verbessernden Prozesse; Expertenkulturen geraten auf gemeinsamen Plateaus miteinander in Berührung; Besucher und Kunden finden Plattformen, auf denen sie ihre Erfahrungen und Ideen einbringen können. Emissionsfreie Fabriken suchen Innenstadtlagen auf, um diese Vorgänge im städtischen Kontext zu intensivieren. 
Die Zeit der luftverschmutzenden, lärmenden und Energie fressenden Fabrik gehört der Vergangenheit an. Die nächste Fabrik versorgt sich selbst. Sie wird bestimmt vom nachhaltigen Umgang mit Ressourcen und Energie. Dabei sind die Nutzung von Windkraft, Sonnenenergie, Geothermie und die Produktion von Biomasse der Schlüssel: Die Fabrik ist zugleich ein Kraftwerk, sie speist überschüssige Energie in das Stadtnetz ein und funktioniert als Puffer bei Energie-Spitzen-Zeiten. Ergänzt werden diese Maßnahmen durch geschlossene Kreisläufe der Wasserwirtschaft