Für die Škoda automobilova in Mlada Boleslav wurde in der Tschechischen Republik die erste fraktale Fabrik gebaut. Bei dem neuen Montagewerk ist die Philosophie modularer Strukturen verwirklicht. Das Strukturmuster stellt das sogenannte „Spine-Muster“ – der zentrale Nervenstrang des Fabrikkonzeptes – dar, durch den sämtliche Steuerbefehle laufen. Auf dieser zentralen Erschließungs- und Fertigungsachse wickelt sich die Automobilproduktion im synergetischen Zusammenspiel miteinander vernetzter Teilsysteme in kleinen Qualitäts-Regelkreisen ab. In diesem Spine sind Teamräume, Try-out-Flächen, Besprechungsräume, Sozialeinrichtungen, aber auch Arbeitsplätze der Werksleitung, des Personalwesens und der Ingenieure angeordnet. Die Funktionsbausteine liegen im Zentrum – auf der gleichen Ebene wie die Produktionslinien. Dabei erlangt vor allem die Kommunikation – die nicht hierarchisch, sondern fraktal gegliedert ist – eine tragende Bedeutung. Der Informationsfluss zwischen der Produktion und den Büros erfolgt ohne räumliche Hindernisse oder zeitliche Verzögerung und ermöglicht jedem Mitarbeiter eine optimale und offensichtliche Prozessorientierung.





Mit der Gläsernen Manufaktur realisierte Volkswagen als erster Hersteller ein Produktionskonzept, das Prozesse der klassischen industriellen Automobilproduktion und manufakturartiges Arbeiten miteinander verknüpft: Hier werden Oberklassenlimousinen in Handarbeit montiert. Die Gläserne Manufaktur ist ein Ort der Transparenz und des Austauschs und macht das Erlebnis der Automobilproduktion nach außen sichtbar. In der Gläsernen Manufaktur werden Themen rund um das Automobil präsentiert, die Veranstaltungen reichen von Kunstausstellungen über Konzerte bis hin zu Fernseh-Talkshows. Die klar abgegrenzten, übersichtlichen Räume sind mit wenigen Materialien gestaltet. Das Raumangebot und die Architektur ermöglichen eine neue Qualität der Kundenbetreuung.








Die Konzentration des Produktionsprogrammes, neue Ferti-gungskapazitäten im In- und Ausland und die starke Expansion des Geschäfts kennzeichnen die Entwicklung von Brose zu Beginn der 80er Jahre. Das Unternehmen erschließt hohe Wachstumspotentiale, indem es sich auf die Kerngebiete „Technik für Tür und Sitz im Automobil“ spezialisiert und so zum führenden Systemanbieter dieser Produkte wird. Das Wachstum erfordert Konsolidierung und eine starke Ausweitung der Kapazitäten. Im Herbst 1981 startet daher die Erweiterung von Werk 2 an der Bamberger Straße, im Süden von Coburg.






In Molsheim wird die Renaissance einer Legende gelebt, Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen, um zu erreichen, was Bugatti schon einmal war: Die Spitze der Automobilbaukunst. Das Gelände des Firmensitzes liegt südlich von Molsheim in einem Landschaftspark mit dem Chateau St. Jean (1857) im Mittelpunkt. Die Anlage erweitert sich mit dem Neubau des Fertigungsgebäudes, dem Atelier. Es besteht aus einem ovalen Ateliergebäude und drei eingestellten Prüfmodulen. Das Gebäude ruht auf einem durchgehenden Sockel, der das Gebäude schwebend erscheinen lässt. Hier erfolgt die Endmontage der Bugatti Fahrzeuge. In der Mitte des Ovals liegen die Montageplätze. An den Stirnseiten befinden sich zum einen die Motorvormontage und zum anderen im Erdgeschoss der Sozialbereich und im Obergeschoss die Büros. Gegenüber den Montageplätzen sind unmittelbar anfahrbar die Prüfeinheiten vorgesehen. Transparente Verbindungen zwischen den Modulen ermöglichen Einblicke in den Prüfvorgang.





Zusätzlich zur Modellreihe Cayenne produziert Porsche am Standort Leipzig seit 2009 das viersitzige Sportcoupé Panamera. Erweiterte Fertigungskapazitäten und die angestrebte höhere Fertigungstiefe für das neue Fahrzeug erforderten umfangreiche bauliche Maßnahmen. In kürzester Planungs- und Ausführungszeit entstanden Montageflächen mit Schubplatten- und Gehängelinie, ein vollautomatisches Karossenlager, ein Versorgungs- und Logistikzentrum sowie Stellplätze für Fertigfahrzeuge. Östlich der Fertigungshalle wurde ein neues Pilot- und Analysezentrum mit Bereichen für die Audit-, Vorserien- und Fahrzeugindividualisierung errichtet. Die Baumaßnahmen ermöglichen die intelligente Verzahnung von Teil- und Vollmontage zweier unterschiedlicher Baureihen unter einem Dach. Ein separater Baukörper ergänzt das vorhandene Integrationszentrum. Daraus ergeben sich zusätzliche Nutzungen sowie eine neue Strukturierung. Der Baukörper nimmt unter anderem das Casino der Porsche Gastronomie auf, sodass im Bestand frei werdende Flächen für die Vergrößerung der Bürobereiche genutzt werden konnten. Die beiden Gebäude des Integrationszentrums umschreiben eine geschützte, gemeinsame Freifläche. Die Außenhaut des Neubaus besteht vorwiegend aus silbergrau beschichteten Aluminiumpaneelen und transportiert die CI des Sportwagenherstellers.





Die MTU Aero Engines Polska hat 2009 den Standort Rzeszów eröffnet und führt dort die Fertigung, Montage, Reparatur und Entwicklung von Triebwerken und Triebwerksteilen durch. Die Anlage besteht aus einer Fertigungs- und Wartungshalle sowie einem dreigeschossigen Bürotrakt. Zur besseren Belichtung der Büroarbeitsplätze sind die beiden Baukörper voneinander abgerückt, sie bleiben aber über eine gemeinsame Eingangshalle miteinander verbunden. Die vertikalen Fensterbänder der Fertigungshalle setzen sich in der Dachfläche fort. Für die Nutzer des nahe gelegenen Flughafens ist diese „fünfte Fassade“ bei Start und Landung vor allem nachts ein signifikanter Anblick.






Das neue Werk der Jointventure Partner BMW Group und Brilliance China Automotive Holding am Standort Tiexi in Shenyang wird ab 2012 gemeinsam mit dem bestehenden Werk in Da Dong die Produktionskapazitäten vor Ort auf ca. 100.000 Einheiten pro Jahr erhöhen. Langfristig sind in beiden Werken voraussichtlich 300.000 Einheiten pro Jahr möglich. In Shenyang wird ausschließlich für den nationalen Markt produziert, der Neubau ist damit ein wesentlicher Baustein zur Erschließung und Durchdringung des chinesischen Marktes. Technologisch und in puncto nachhaltiges Umweltmanagement wird das neue Werk in Tiexi einer der fortschrittlichsten Standorte der Automobilproduktion in China sein. Der Gebäudekomplex auf dem 200 Hektar großen Gelände umfasst die Produktionsbereiche Karosseriebau, Montage und Logistik, die alle unter einem gemeinsamen Dach integriert sind. Durch diese „Single-Roof-Konzeption“ verkleinern sich die Außenflächen, unterschiedliche Förderebenen entfallen und die Bänder lassen sich flexibler anordnen. Die Produktionsbereiche ordnen sich um ein Zentralgebäude an, in dem sich neben Administration und den Planungsabteilungen auch das Betriebsrestaurant, ein Gesundheitszentrum und weitere Servicebereiche für die Mitarbeiter befinden. Das Konstruktionsraster (18 x 18 m) des Produktionsgebäudes setzt sich hier fort und eröffnet einen großzügigen Kommunikationsraum, der von unterschiedlichen Ebenen aus erlebbar ist. Auch in diesem kommunikativen Zentrum des Werkes steht die Produktion im Mittelpunkt: Die Karossen nehmen ihren Weg aus der Lackiererei in den Montagebereich durch diesen Raum hindurch, die Produktion wird so für jeden sichtbar und erlebbar gemacht.




Brose zählt zu den weltweit führenden Automobilzulieferern und ist das fünftgrößte familiengeführte Unternehmen in diesem Bereich. Als Hersteller von mechatronischen Komponenten und Systemen etabliert sich Brose mit dem Neubau auf dem chinesischen Markt nicht nur mit einem Produktionsstandort, sondern auch mit einer Entwicklungsabteilung. In Anting, einer Stadt nahe Shanghai, die seit den 1980er Jahren als VW hier sein erstes Werk errichtet hat sukzessive zur größten Autostadt in China ausgebaut wird, werden Türsysteme und Fahrzeugklappen für den chinesischen Markt produziert und weiterentwickelt. Die Anlage gliedert sich in zwei Baukörper: ein dreigeschossiges Gebäude für Verwaltung und Entwicklungsabteilungen und eine Produktionshalle. Intern sind beide Häuser in Längs- und Querrichtung organisiert, die Haupterschließungsachse liegt quer dazu und führt vom Haupteingang in ein gebäudehohes Foyer mit angrenzenden Ausstellungsflächen. Ein Betriebsrestaurant für alle Mitarbeiter schließt unmittelbar daran an und führt über einen begrünten Freiraum weiter in die Produktionshalle. Die Entwicklungsabteilungen im Erdgeschoss – dem Herzstück der Anlage – und die Verwaltungsabteilungen darüber werden im Gebäudeinneren von zwei Lufträumen von oben natürlich belichtet, im ersten Geschoss sind hier Kommunikationsbereiche mit Coffee-Lounges angeordnet. Die Büroflächen und Nebenräume in der Produktionshalle sind an deren Längsseite auf zwei Geschossen angeordnet. Entsprechend der Unternehmensphilosophie und den Leitsätzen des Corporate Design werden mit dem neuen Headquarter Konzepte realisiert, die in China nicht selbstverständlich sind, so etwa das ressourcenschonende Gebäudekonzept mit außenliegendem Sonnenschutz, ein konsistentes Farb- und Materialkonzept, die vertikale Fassadengliederung, aber vor allem eine Bauausführung nach europäischen Qualitätsstandards.


Easyway ist einer der führenden Dienstleister und Zulieferer beim Ausbau des chinesischen Schnellbahnnetzes. Am Produktionsstandort in Suzhou werden Fahrkartenautomaten, Anzeigetafeln und Wegeleitsystemen produziert. Darüber hinaus werden hier Hardware- und Softwarelösungen im Bereich Ticketing entwickelt. Der erste Bauabschnitt besteht aus einem Forschungs- und einem Produktionsgebäude im Südosten des Grundstücks. Der Eingangsbereich des Forschungsgebäudes führt in ein großräumiges Atrium, das einer Bahnhofshalle nachempfunden und für Veranstaltungen und Ausstellungen nutzbar ist. Die Obergeschosse sind in vier gleich große Bereiche gegliedert, die während der Anfangsphase der Standortentwicklung etagenweise oder als separate Einheiten vermietet werden können. Die Funktionsbereiche des Produktionsgebäudes orientieren sich zur zentralen Produktionshalle.




Ein Dach, eine Gemeinschaft, umfassende Güte – die Schriftzeichen im Siegel von Tongrentang, dem größten Anbieter traditioneller chinesischer Heilmittel, stehen für die Werteorientierung des seit über 300 Jahren bestehenden Unternehmens. Diese Ausrichtung und der Wunsch nach Repräsentation sind daher die Schlüsselelemente des Entwurfs. Die Bündelung bislang verteilter Funktionen – Entwicklung, Produktion und Logistik – an einem gemeinsamen Standort bildet dabei das tragende Fundament sowohl um die große Nachfrage nach traditionellen Heilmitteln auf dem chinesischen Markt bedienen zu können als auch für die kulturelle Ausrichtung des Unternehmens. Der ursprünglich nur für Besucher und Kooperationspartner geplante „Visitor Way“durch den Gebäudekomplex wurde konzeptionell zu einem zentralen Ort der Kommunikation umgedeutet: Der „Way of Tongrentang“ macht die Unternehmenswerte für alle Mitarbeiter bei ihrer täglichen Arbeit erlebbar.





