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Was machen wir nach der Arbeit?

Prof. Dr. phil. Armin Nassehi

HENN Akademie, 14. Mai 2014

In der Physik ist Arbeit das Produkt aus Kraft und Wegstrecke. Kombiniert mit dem Zeitaspekt wird dann aus Arbeit Leistung - je kürzer die Zeit für ein bestimmtes Quantum Arbeit, desto größer die Leistung. Deshalb misst man beim Arbeiten immer noch Kraftentfaltungen, Wegstrecken, Zeiten und Anwesenheiten sowie ihre räumlichen Verdichtungen. Nur: Arbeiten wir noch so, wie wir Arbeit einmal physikalisch gemessen haben? Und leisten wir nach diesen bloßen Zeit und Anwesenheitskategorien?

Wohl kaum - und deshalb lohnt sich die Frage, was wir eigentlich nach der Arbeit machen - nach jener Arbeit, die wir heute noch so messen, als wäre sie noch so, wie sie seit dem 18./19. Jahrhundert aussah, die aber ganz andere Qualitätsaspekte aufzuweisen hat als die Quantitäten der klassischen Arbeit. Vielleicht muss man die Arbeit heute mit der Kunst konfrontieren und Arbeit wenigstens in Gedanken in Kunst verwandeln - auch ein Diskurs des 19. Jahrhunderts, der aber ebenso ganz neu geführt werden muss. Was tun wir also nach der Arbeit? Arbeiten. Aber anders.

Prof. Dr. phil. Armin Nassehi geb. 1960 in Tübingen, aufgewachsen in München, Teheran und Gelsenkirchen. Studium der Philosophie. Soziologie und Erziehungswissenschaften in Münster und Hagen. 1992 Promotion und 1994 Habilitation in Soziologie. Seit 1998 Inhaber des Lehrstuhls I für Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seine Arbeitsgebiete sind die Kultursoziologie, Wissenssoziologie, Politische Soziologie. Zugleich Vortragender und Berater für Unternehmen unterschiedlicher Branchen.

Armin Nassehi
Prof. Dr. phil.