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How the Body Shapes the Way We Think

Prof. Dr. Rolf Pfeifer

HENN Akademie, 6. März 2008

Manche Phänomene muss man erst nachbauen, um sie zu verstehen. Dazu gehört, was immer noch erstaunlich klingt, die Intelligenz. Das Erstaunen rührt vor allem daher, dass man lange versucht hat, Intelligenz auf das Prozessieren von Informationen zu reduzieren, es also rein algorithmisch zu konzipieren. Diese Sichtweise einer „cognition as computation“, der die klassische Theorie künstlicher Intelligenz anhing und die teilweise heute noch verfochten wird, geht auf ein altes Vorurteil über die Natur des Geistes zurück.

Die Neue Künstliche Intelligenzforschung wendet sich seit etwa zwei Jahrzehnten mit wachsendem Einfluss gegen diese rationalistische Sichtweise. Für sie ist Intelligenz keine abstrakte Leistung, sondern kennzeichnet das Verhalten von Organismen in ihrer Umwelt. Im Mittelpunkt steht der Gedanke des Embodiment, der Verkörperung kognitiver Leistungen. Intelligenz entsteht demnach emergent aus Interaktionsprozessen des sensomotorischen Systems und der Morphologie bzw. den Materialeigenschaften des Körpers mit der jeweiligen Umwelt.
Es wird untersucht, wie sich natürliche oder künstliche Organismen fortbewegen, wie sie Aufgaben lösen oder an lebensnotwendige Ressourcen gelangen. Die Prinzipien, die intelligentem Verhalten zugrunde liegen, gilt es durch die Konstruktion freibeweglicher Roboter auszuprobieren, um sie so zu verstehen.
Dabei kommt es immer wieder zu überraschenden Einsichten, weil die „intelligente Bauweise“ beweglicher Körper durch ihre „morphological computation“ die dezentrale Steuerung von Verhalten ermöglicht. Beim Gehen z.B. sorgt das Gehirn für die richtige Körperhaltung. Die Vorwärtsbewegung des Beines jedoch wird weitgehend durch die Schwerkraft vollzogen, sobald die Beinmuskeln schlaff sind und das Bein wie ein Pendel funktioniert. Beim Auftreten hingegen, um mit dem Aufschlag fertig zu werden, braucht es hohe Steifheit in der Muskulatur. Es ist also, wie wenn das Gehirn einen Teil der Funktionalität – den Vorwärtsschwung des Beines und das Aufnehmen des Aufschlags – zumindest teilweise an die Material- (Gewebs-) Eigenschaften des Körpers „delegiert“. Dieses Bewegungsverhalten wiederum wird zentral repräsentiert und beeinflusst so die Kategorien und die Funktionalität von „Gehirnen“. Intelligenz steuert nicht nur, sondern sie braucht auch einen Körper.

Prof. Dr. Rolf Pfeifer ist seit 1987 Professor am Institut für Informatik der Universität Zürich und Direktor des Artificial Intelligence Laboratory. Er arbeitete zuvor als Postdoctoral Fellow in den USA an der Carnegie-Mellon University und an der Yale University sowie als Gastprofessor an der Free University of Brussels, dem MIT Artificial Intelligence Laboratory und dem Beijing Open Laboratory for Cognitive Science.

Rolf Pfeifer
Prof. Dr.